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Foto: Charité/Peitz

Wissenschaftsforschung am Institut für Public Health

Wissenschaftsforschung ist die wissenschaftliche Erforschung der Wissenschaft selbst. Es geht darum, zu untersuchen, wie akademische Wissensschaffung funktioniert. Dafür werden soziale Prozesse, historische Bedingungen und Machtverhältnisse, in die die Wissenschaft eingebunden ist, analysiert.

Wissenschaftsforschung

Mit der Wissenschaftsforschung sollen "blinde Flecken" der akademischen Wissensproduktion aufgedeckt werden, die durch die Einbettung von Wissenschaft in politische, ökonomische und gesellschaftlichen Bedingungen gegeben sind.

  • Welche Konsequenzen entstehen aus einer solchen Einbettung für die Art des medizinischen und Public Health Wissens?
  • Was bedeutet dies für die Interpretation und die Nutzung von medizinischem und Public Health Wissens im Alltag?
  • Welche "Natur" hat dieses Wissens?
  • Und welche Konsequenzen entstehen daraus für ihre Interpretation und Anwendung?

Dies sind Fragen, die am Institut für Public Health gestellt und beantwortet werden.

Projekte

Epidemiologische Risiko-Scores als Instrumente des Wissenstransfers

Projektbeschreibung:

Das Projekt untersucht Wissenstransferprozesse in epidemiologischer Wissensgenerierung und in der Zirkulation epidemiologischer Ergebnisse in Form von Risikoschätzern, sogenannten Risiko-Scores.

Das Ziel der Studie ist, Wissenstransferprozesse bei epidemiologischer Wissensgenerierung am Beispiel der Nationalen Kohorte, einer Kohortenstudie, zu untersuchen und zu beschreiben. Nach Abschluss der Forschungsarbeiten soll eine Informationsplattform entwickelt werden, die Effekte von Studienteilnahmen aufzeigt, Konsequenzen des in der Studie generierten Wissens sowie mögliche Problemfelder. 

Dabei wird ein Ensemble aus Methodenelementen aus sozialwissenschaftlicher Wissenschafts- und Technikforschung und Technografie eingesetzt (leitfadengestütze Interviews, teilnehmende Beobachtungen und Dokumentenanalysen).

Das Projekt wird im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunkts "Ethische, rechtliche und soziale Aspekte des Wissenstransfers zwischen den modernen Lebenswissenschaften und der Gesellschaft" gefördert (Laufzeit: 1.11.2013-31.10.2016); und zusammen mit dem Institut für Soziologie der Goethe-Universität Frankfurt (Prof. Dr. Susanne Bauer, Dr. Katrin Amelang) durchgeführt. 

Förderer:

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Laufzeit:

01.11.2013 – 31.10.2016

Projektleitung:

Dr. phil. Christine Holmberg
Prof. Dr. Susanne Bauer

Team:

Dr. Ute Kalender

 

 

Biobanks and the communication of risk knowledge: Interventions by researchers, practioners and artists

Projektbeschreibung:

Biobanken basieren wesentlich auf der Kommunikation von Risiko-Wissen. Die Rekrutierung von Probanden im Vorfeld, die Erhebung ihrer Daten oder ihre informierte Zustimmung – alles hängt von der Kommunikation von Risiko-Wissen ab. Die ethischen, rechtlichen und medizinischen Dimensionen waren in den letzten Jahrzehnten Gegenstand breiter öffentlicher Diskussionen und sozialwissenschaftlicher Forschungen. Doch welche materialen, infrastrukturellen, dinglichen und klassifikatorischen Bedingungen sind es genau, die Risiko-Kommunikation konstituieren? Welche technologischen Praktiken bilden das Herzstück von Biobanken und Risiko-Kommunikation auch jenseits menschlicher Wissenschaftskommunikation? Welches soziale Leben haben jene digitalen Daten, die Algorithmen und Messinstrumente, ohne die Risiko-Kommunikation und Biobanken nicht denkbar wären? Diese Fragen stehen im Zentrum des Brocher-Workshops.

Workshop 19. - 21. November 2015

Dazu versammelt der Workshop erstmals Wissenschaftler, Praktiker und Künstler aus so diversen Feldern wie den Science und Technology Studies, der sozialen und historischen Anthropologie, Soziologie, Wissensgeschichte, Science und Health Studies, Public Health, Medienwissenschaften und Medienkunst. Die Veranstaltung soll ein transdisziplinäres, ja transakademisches Netzwerk eröffnen, das Themen wie die Geschichte von Biobanken und von Risikowissen, Praktiken der Datensammlung oder den Transfer von Risikowissen verhandelt.

Der Workshop soll schließlich das Fundament legen für eine Online-Plattform. Sie soll Risiko-Wissen so kartografieren, dass eine Social Literacy erkennbar wird – mittels derer sich durch das soziale Leben und die Risiken von Biobanken und ihre verbundenen Wissenstransfers navigieren lässt.

Förderer: Brocher Foundation

Projektleitung:

Dr. phil. Christine Holmberg
Prof. Dr. Susanne Bauer
Dr. Ute Kalender
Dr. Katrin Amelang

Praxis von Post-Marketing-Studien

Projektbeschreibung:

Post-Marketing-Studien (PMS) sind eine bedeutende Forschungstätigkeit pharmazeutischer Unternehmen nach der Marktzulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten. Diese Beobachtungsstudien sollen wissenschaftliche Erkenntnisse über die langfristige Sicherheit, Anwendung und Interaktion von Arzneimitteln im medizinischen Alltag liefern. Besonders durch die Aufdeckung seltener und sehr seltener Nebenwirkungen dienen PMS staatlichen Regulierungsbehörden zur Überwachung der Arzneimittelsicherheit. Diese wichtige Aufgabe von PMS ist gesetzlich festgelegt und innerhalb der Europäischen Union harmonisiert. Über inhaltliche und methodische Aspekte von PMS ist wenig bekannt. Das Projekt untersucht die Praxis von PMS, um deren wissenschaftlichen Wert zu beurteilen.

Projektleitung:

Working Group on Health und Working Group on Freedom of Information, Transparency International Deutschland eV.

Beteiligter des Instituts für Public Health:

Dr. Christof Prugger

Publikationen:

  1. Spelsberg A, Prugger C, Doshi P, Ostrowski K, Witte T, Hüsgen D, Keil U. Working Group on Health and Working Group on Freedom of Information, Transparency International Deutschland eV.. Contribution of industry funded post-marketing studies to drug safety: survey of notifications submitted to regulatory agencies. BMJ 2017;356:j337
  2. Spelsberg A, Keil U, Prugger C. Authors‘ reply to Fralick and Kesselheim. BMJ 2017;357:j1850